Notkriminalität und sichtbare Armut


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Eigentumskrimialität wurde früher als Notkriminalität bezeichnet. So bestand in der Weimarer Republik ein Zusammenhang zwischen hoher Arbeitslosigkeit und hohen Diebstahlsraten. Einige Studien belegen auch heute die Korrelation. So erhöht sich z.B. für sozialrandständige Jugendliche die Gefahr, in eine kriminelle Karriere abzugleiten. Auch bei sozialer Desintegration kann es zu einer anwachsenden Kriminalität kommen. Sieht man in die USA, so ist das Ausmaß von Elend und Kriminalität gravierend. In den USA wurde in den 70er Jahren eine eindeutige Korrelation zwischen dem Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Zunahme der Morde und der Aufnahme in Gefängnisse nachgewiesen. Neben der Eigentums- ist Drogenkriminalität weit verbreitet. Auch wenn in den USA die Erwerbslosigkeit aufgrund neuer prekärer Jobs gesunken ist, das Elend ist geblieben, working poor. Es hat sich in den USA ein riesiger Gefängniskomplex herausgebildet. Gleichzeitig wurde der Sozialhilfebezug auf 5 Jahre begrenzt. Kriminalpolitik ersetzt Sozialpoltik. Es gibt eine Tendenz zur Kriminalisierung von Armut. Die New Yorker Null-Toleranz-Strategie ab Mitte der 90er Jahre besagte, daß in einem 1. Schritt Schwarzfahrer eingesperrt und Großrazzien gegen Obdachlose durchgeführt wurden. Im 2. Schritt erklärte der Polizeichef der Unordung auf Straßen und Plätzen den Krieg. Regelwidrigkeiten wie Trinken in der Öffentlichkeit oder Fahrradfahren auf dem Gehsteig wurden streng geahndet und verfolgt. Innenminister Kanther nahm sich diese Null-Toleranz-Strategie zum Vorbild. Er verlangte eine konsequente Verfolgung auch von Bagatelldelikten wie Ladendiebstahl oder Graffiti. Der Einzelhandel besonders im Citybereich beschäftigt eigene Wachdienste, die aktiv gegen Müll, Graffiti, Kleinkriminalität,Drogenhandel und Bettelei vorgeht. In Berlin werden auf den Bahnhöfen monatlich 7000 Platzverweise ausgesprochen, 150 Bahnhofsverbote mit bis zu zweijähriger Dauer und ungezählten Anzeigen wegen Hausfriedensbruch. Die privaten Sicherheitsdienste werden ausgebaut. Die Wachdienste haben vor allem die Aufgabe, unliebsame Personen fernzuhalten.Sichtbare Armut soll aus den Innenstädten verdrängt werden. In den Städten ist es unübersehbar, die Armut hat zugenommen, Bettler, Obdachlose, Obdachlosenzeitungsverkäufer, Straßenkinder, Straßenmusiker, Drogenszene, Trinker, Stricher usw. Eine Entwicklung, die mit der zunehmenden Erwerbslosigkeit in Zusammenhang gebracht werden muß.

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