Für ein selbstorganisiertes Berliner Erwerbslosenzentrum

"Piqueteros"sind AktivistInnen der argentinischen Erwerbslosenbewegung, die sich gegen ihre Ausgrenzung zur Wehr gesetzt und selbstorganisierte Arbeits-und Lebenszusammenhänge erstritten haben. Ähnlich den argentinischen GenossInnen wollen wir der zunehmenden gesellschaftlichen Treibjagd auf erwerbslose Menschen nicht länger tatenlos zusehen. Deshalb wollen wir einen Ort schaffen, an dem sich erwerbslose, von Erwerbslosigkeit bedrohte und prekär beschäftigte Menschen austauschen und für ihre Interessen zusammenschließen können.
Wer wir sind: Wir sind eine Gruppe von sieben Personen, die sich anlässlich der Proteste gegen die Hartz-Gesetze zusammengefunden haben. Einige von uns waren schon länger in der Erwerbslosenbewegung aktiv, andere sind neu dazugekommen. Unsere erlernten Berufe sind JournalistIn, BetriebswirtIn, IllustratorIn, InformatikerIn, VolkswirtIn, SozialpädagogIn, BauingenieurIn und PsychologIn .Wir waren/ sind unter anderem bei Anders Arbeiten, Attac, dem Berliner Runden Tisch der Erwerbslosen, der FAU engagiert. Gemeinsam ist uns die Erfahrung, dass Widerstand Spass macht und für unser eigenes psychisches Überleben unverzichtbar ist.
Was wir wollen: Bislang gibt es für die über 300 000 Berliner Erwerbslosen keinen zentralen Ort, an dem sie sich treffen, austauschen, Aktivitäten planen und bei Problemen eine parteiliche und kompetente Beratung finden können.
Einen solchen Ort wollen wir zusammen mit den AktivistInnen des Berliner Sozialforums schaffen. Das geplante Berliner Erwerbslosenzentrum soll folgende Funktionen haben:

Niedrigschwelliger Treffpunkt und Kommunikationszentrum:

Im niedrigschwelligen Café-Treffpunkt sollen die Fäden für alles, was im Haus passiert, zusammenlaufen. Dort finden Neuankömmlinge eine Anlaufstelle und Ratsuchende werden weiterverwiesen. Hier wird über die verschieden Gruppen und Angebote des Hauses informiert. Deshalb ist es in gewisser Weise die Visitenkarte des Hauses.

Ganzheitliches Beratungszentrum:

Die unübersichtlichen und immer repressiver werdenden Gesetze der so genannten Arbeitsmarktreform sorgen dafür, dass sich viele Betroffene als ohnmächtige Opfer einer willkürlich agierenden Behördenmaschinerie empfinden. Deshalb ist der Bedarf an Beratung groß. Oft ist aber bei Menschen, die von Erwerbslosigkeit betroffen sind, die Grenze zwischen rein sachbezogener Beratung und persönlicher Beratung fließend. Gefühle von Demütigung und Ohnmacht können so stark sein, dass im Einzelfall eine emotional stützende Beratung notwendig ist. Diesem Bedürfnis wollen wir mit unserem ganzeitlichen Beratungsangebot Rechnung tragen: Bisher haben wir folgende Angebote geplant:


Gruppen- und Selbsthilfetreffpunkt

Wir stellen uns sowohl themenbezogene als auch aktionsbezogene Gruppen vor. So wären zum Beispiel Selbsthilfe- und Gesprächsgruppen für erwerbslose MigrantInnen, prekär beschäftigte Alleinerziehende oder erwerblose Lesben denkbar, aber auch Freizeitgruppen, eine Theatergruppe oder Gruppen, die politische Aktionen vorbereiten.

Politisches Zentrum

Zwar verstehen wir alle im Zentrum stattfindenden Aktivitäten als politisch, dennoch wollen wir dem Politischen im klassischen Sinne ausreichend Raum geben. So sollen unter anderem Arbeitsgruppen zu politischen Themen stattfinden, Aktionen und Demonstrationen vor- und nachbereitet, Flugis entworfen, Pressearbeit gemacht und Strategiedebatten geführt werden.

Antidiskriminierungsbüro

Wir wollen die schon fast selbstverständlich gewordenen Angriffe auf die Menschenwürde von Erwerbslosen endlich an die Öffentlichkeit bringen. Diskriminierungserfahrungen von Erwerbslosen sollen hier gesammelt, publiziert und gegebenenfalls auch juristisch verfolgt werden.

Veranstaltungs- und Kulturzentrum

Unser Ziel ist kein Erwerblosenghetto.
Notwendig sind stattdessen Begegnung und Austausch zwischen Joblosen und solchen Menschen, die sich noch in der Mitte der Gesellschaft wähnen. Wir brauchen ein Fenster zur Welt. Deshalb planen wir Veranstaltungreihen zu politischen und philosophischen Fragestellungen, die allen Interessierten offen stehen. Wir laden alle Künstler, die sich kritisch mit den neoliberalen Hegemonialdiskursen auseinander-setzen, ein, mit uns in den Dialog zu treten und ihre Arbeit in unseren Räumen zu präsentieren.

Ein Denk- und Forschungszentrum zu Arbeit und Arbeitslosigkeit

"Hauptsache Arbeit" ist nicht unsere Devise. Wir wollen stattdessen die vorherrschenden Diskurse zum Thema Arbeit kritisch reflektieren. Das Zentrum soll deshalb auch ein "Thinktank" sein, an dem regelmäßig zu den o.g. Themen geforscht und publiziert werden kann.

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