Zu faul zu arbeiten?


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"Viele Arbeitslose sind faul. Das ist das Erste, was den meisten zum Thema Arbeitslosigkeit einfällt...Dafür, dass bei Arbeitslosigkeit zuerst an Faulheit gedacht wird, sorgen die Manager aus Wirtschaft, Politik und die Medien..." Der Stern rechnete nur 50% zu den echten Arbeitslosen. Medien und Arbeitgeber sagen, wer nicht intensiv Arbeit sucht, ist nicht arbeitslos.
- Wer sind diese angeblichen "Faulenzer", die keine Arbeit suchen? Es sind Ältere, die jahrzehntelang gearbeitet haben und aus den Betrieben ausgekehrt wurden. Sie haben keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt und überbrücken bis zur Rente. Es sind Leute, die schon Arbeit haben, aber bis zum Ausbildungs- oder Arbeitsbeginn überbrücken. Es sind Frauen, die Kinder erziehen, Jugendliche die zwischen Schule, Ausbildung, Studium, Wehrdienst überbrücken. Es sind Arbeitslose, die wegen Krankheit keine Stelle suchen. - Und wer sind die angeblichen "Faulenzer", die nicht intensiv genug Arbeit suchen? Es sind Dauerarbeitslose, die einfach nichts finden, Leute, die sich selbständig machen wollen, die aus illegalen Quellen ihren Lebensunterhalt bestreiten, die politisch und gesellschaftlich aktiv sind oder sich so durchschlagen, weil sie keinen Bock haben für andere zu arbeiten.
- Und warum lehnen Arbeitslose offene Stellen ab?
1) Sie wollen nicht für Löhne arbeiten, die unter dem Existenzminimum liegen. Je niedriger die Löhne sind, desto mehr wird die Arbeitsbereitschaft sinken und die "Faulheit" steigen. Lohnsenkungen fördern also die "Faulheit". "Jede Arbeit ist besser als keine", so ist die Botschaft an die Arbeitslosen. ..So reden die, die so reich sind, dass sie überhaupt nicht mehr arbeiten müssen.
2) Sie wollen nicht unterhalb der Qualifikation arbeiten, das ist zugleich auch Widerstand gegen Lohnsenkungen. Denn qualifizierte Arbeit bringt mehr Geld. Auch im Fall einer erneuten Arbeitslosigkeit. Höhere Löhne bringen auch mehr Rente. Der Widerstand gegen unterqualifizierte Arbeit dient auch der privaten Vorsorge für`s Alter. Arbeit unterhalb der Qualifikation entwertet die Investitionen in die eigene Arbeitskraft. Neben der Lohnhöhe ist das Bedürfnis, die Qualifikationen zu erhalten, der wichtigste Grund, Stellenangebote abzulehnen. "Was hat das mit Faulheit zu tun?", fragt Roth.
3) Arbeitslose treten Stellen auch aus gesundheitlichen Gründen nicht an. Der Gesundheitszustand vieler Arbeitsloser ist sehr schlecht, 2001 schied jeder 6. Arbeitslose wegen Arbeits-unfähigkeit aus der Arbeitslosigkeit.
4) Es gibt Arbeitslose, die nicht umziehen wollen, weil sie ein soziales Umfeld haben. 1995 wechselte jedoch jeder 4. Arbeitslose die Region, um eine Stelle anzutreten. Warum schafft man nicht dort Arbeit, wo die Menschen wohnen? Und Roth abschließend: Arbeitskräfte sollen "Unternehmer" sein, aber wehe sie verhalten sich so. Sie sollen ihre Ware unter Wert verkaufen. Mit den Verhältnissen ist etwas faul, die "Faulheit" provozieren. Arbeitslose leiden unter Arbeitslosigkeit Die Antriebslosigkeit, die durch die Arbeitslosigkeit gefördert wird, erscheint als Faulheit. Viele Arbeitslose fühlen sich nutzlos und überflüssig. Je mehr sie die Spielregeln des Systems akzeptieren, je mehr fühlen sie sich als Versager. Die Konkurrenz mindert ihr Selbstwertgefühl. Die Unterstützung reicht oft nicht bis zum Ende des Monats, wer dennoch überleben will, wird als Sozialschmarotzer stigmatisiert, weil er Sozialleistungen in Anspruch nimmt oder schwarz arbeitet. Die Armut führt häufig in die soziale Isolation. Es gibt Konflikte in den Familien, Probleme wegen Schulden, Alkoholabhängigkeit, einen gesundheitlichen und psychischen Abbau. Viele verlieren die Kontrolle über sich und lassen sich hängen. Die wachsende Schicht von Überflüssigen wird als faul diffarmiert, was wiederum die soziale Isolation fördert.

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